Hotel 3 M*

Das Hotel 3 M* (Steigenberger) ist ein Luxushotel an der Maximilianstraße und befindet sich auf dem Grundstück des Fugger’schen Palais. Eine gesamtgesellschaftliche Debatte, sowie die rassismuskritische, postkoloniale Dekonstruktion des Hotelnamens und des Logos halten wir für unabdingbar.

2018: Petition von Amnesty International Jugend Augsburg: „Wir verlangen die Umbenennung des Hotels „Drei Mohren“!

umbennenung-des-hotels-drei-mohren-in-augsburg_1531932887_desktop„Ein Vorschlag unsererseits für das Hotel wäre, ausschließlich den Namen „Steigenberger“ zu verwenden oder ein Zeichen zu setzten, indem sich die Geschäftsleitung bewusst für den Namen „Drei Möhren“ entscheidet. Wir wollen der Geschäftsführung zeigen, dass die Mehrheit der Augsburger*innen Rassismus in jeglicher Form ablehnt.“ –> HIER geht es zur Petition!


2018 – 2020 Presseberichte zur Umbenennungsdebatte

(eine Auswahl)


Warum wir den Namen und das Logo aus postkolonialer Sicht kritisch finden

(2018) In unseren Augen leben wir in einer postkolonialen Zeit, die nicht etwa lediglich als ‚nach dem Kolonialismus‘ zu bezeichnen ist und jene Ära als überwunden und vorbei empfindet. Ein postkolonialer Blick auf die Gegenwart versucht die historischen Zusammenhänge zwischen gegenwärtigen Machtstrukturen und Ausbeutungsverhältnissen und dem Erbe von Kolonialismus, Dekolonisation und neokolonialen Tendenzen aufzuzeigen. Eine postkoloniale Perspektive ermöglicht ein Zusammendenken von verschiedenen Ebenen: Politik, Wirtschaft, Kultur und Ideologien, wie z.B. Rassismus. Diese historisch gewachsenen Macht- und Herrschaftsstrukturen strukturieren bis heute sowohl auf globaler als auch auf lokaler Ebene Zugänge zu Ressourcen, Rechten und Chancen. Und das eben deutlich ungleich. Weiße Menschen leben dabei mit Privilegien, die Schwarze Menschen qua kultureller Zuschreibung mit Blick auf ihr Schwarzsein nicht für sich beanspruchen können bzw. ihnen von der weißen Mehrheitsgesellschaft nicht zugesprochen werden.

Das koloniale Zeitalter begann spätestens 1492 mit der spanischen Eroberung Amerikas. Die gewaltsame „europäische Expansion“ in der Frühen Neuzeit hatte dabei nicht nur Auswirkungen auf die eroberten Gebiete, sondern löste auch tiefgreifende Transformationen in den europäischen Gesellschaften aus. Was somit klar herauszustellen ist: Als eines der bedeutendsten Handels- und Wirtschaftszentren Europas war Augsburg am Beginn der Neuzeit in vielfacher Weise in die globalen Transformationsprozesse und die kolonialen Handelsstrukturen eingebunden. Augsburg als selbsternannte Fugger- und Friedensstadt setzt sich heute unserer Einschätzung nach dabei kaum kritisch mit der Frage auseinander, welche Rolle der europäische Kolonialismus beim Aufstieg Augsburgs zu einer internationalen Metropole und für das »Goldene Zeitalter« der Stadt spielten. Schattenseiten wie das Kolonialunternehmen der Welser auf dem Gebiet des heutigen Venezuela oder die indirekte finanzielle Beteiligung der Fugger am transatlantischen Versklavungshandel werden bestenfalls am Rande erwähnt oder gar nicht thematisiert. Aber auch heute, lange nach dem formellen Ende der Kolonialära, wirken die kolonialen Strukturen fort (z.B. in der Form ungerechter »terms of trade«, die die Produzent*innen von Fertigwaren klar gegenüber Rohstofflieferant*innen bevorzugen). Auch Augsburg profitiert davon und hat als bedeutender Standort der Rüstungsindustrie eine besonders ambivalente Rolle inne.

Deshalb ist gerade auch in Augsburg wichtig, sich die fragwürdigen Nachwirkungen des Kolonialismus, ökonomisch wie kulturell, zu vergegenwärtigen, wie sie auch im Namen des 3M aufscheinen.

Die vom Hotel kolportierte Legende, dass abessinische Mönche, die im Jahr 1495 in Augsburg überwinterten, namensgebend gewesen sein sollen, zeigt auf, dass Augsburg damals ein bedeutender Ort im globalen Netzwerk war. Der geschäftstüchtige Betreiber der damaligen Herberge wollte aus der »Exotik« seiner Gäste Kapital schlagen. Zudem lassen sich Spuren der Kolonialgeschichte eben auch in der Sprache wiederfinden. Sprache schafft Realität, beeinflusst uns in unseren Wahrnehmungen und eben auch in Vorbehalten und Vorurteilen. Eine bewusste und selbstreflektierte (!) Veränderung in der Sprache kann helfen, Vorurteile, Ängste und Rassismus abzubauen. Bezeichnungen wie M und N sorgen nicht für die Anerkennung derer, die nicht nur in Deutschland als Andere konstruiert wurden und immer noch werden. Sie leugnen eine eigene Geschichte kolonisierter Menschen und Völker, die sich benannten, bevor europäische Kolonialherren sich ihre Länder aneigneten. Das Hotel ignoriert mit seiner Benennung jene Menschen, die vom Kolonialismus nachhaltig negativ betroffen sind und diskriminiert aus einer unhinterfragten weißen privilegierten Position heraus einen Großteil der Menschheit.

Eine Petition ist dabei ein ambivalentes Mittel der politischen Artikulation. Auch
innerhalb unserer Gruppe ‚Augsburg Postkolonial – Decolonize Yourself‘ haben wir schon des Öfteren über den Namen des Hotels diskutiert und sind uns bezüglich des Umgangs damit auch nicht in Gänze einig. Es ist aber in diesem Fall sicherlich positiv, dass auf so öffentlichkeitswirksam auf die Thematik hingewiesen wird. Diese Petition schafft somit eine gute Grundlage zur Auseinandersetzung und Debatte, andererseits erhoffen wir uns, dass diese auch konstruktiv verläuft und nicht diffamierend und/oder kontraproduktiv wirkt, indem sie stark polarisiert. Uns geht es um eine sachliche wie fachliche Auseinandersetzung und breite Diskussion.

Die Debatte würden wir dann gerne noch ausweiten auf die dazugehörige bildliche Darstellung der 3 M* im Logo des Hotels: (Nicht nur) Wir finden dieses Logo sehr problematisch, da es rassistisch-stereotype Darstellungen Schwarzer Menschen reproduziert: die dicken Lippen und die stark vereinfachten, scherenschnittartigen Profile zeigen keinerlei menschliche Züge mehr. Es ist eine entmenschlichte Darstellung von einem kolonialen Bild eines Schwarzen Sklaven. Alle drei Männer sehen gleich aus, womit jede Individualität völlig negiert wird. Rassistische Stereotype werden reproduziert und Schwarze Menschen diskreditiert, marginalisiert und diskriminiert. Es handelt sich um eine deutlich koloniale Darstellung, die Schwarze Menschen nicht als gleichwertig und selbstbestimmt aufzeigt, sondern als primitiv und machtlos. Tragen folglich Orte, Straßen, Plätze und/oder Gebäude derartige Namen und Darstellungen, reproduzieren sie die im Kolonialismus erfundenen und konstruierten Bilder von Minderwertigkeit, Abwesenheit von sogenannter Zivilisation und Entwicklung und Menschlichkeit können Schwarze Menschen nicht nur in der Augsburger Stadtgesellschaft beleidigen und diskriminieren.

Somit handelt es sich bei der Diskussion nicht um etwas sinnloses, überflüssiges oder aufgebauschtes, sondern um eine wichtige Diskussion als Prozessschritt in Richtung dekolonisierte, antirassistische Gesellschaft.

Wir hoffen allerdings, dass die Hotelleitung des 3M lernfähig ist und überlegt, ob es in einer globalisierten Welt wirklich sinnvoll ist, sich als »Erstes Haus am Platz« mit einem derartigen Namen und Logo zu positionieren.