Jakob Fugger: ein Herz aus Gold oder kapitalistischer Ausbeuter?

Seit dem 30.06 bis zum 28.07 wird auf der Freilichtbühne am roten Tor das Fugger-Musical „Herz aus Gold“ uraufgeführt. Die Macher*innen beschreiben Jakob Fugger als „Global Player“, der „Visionäres geschaffen hat“ und „seine Träume von Reichtum, Glanz und Glorie umzusetzen wagte. Er begründete damit nicht nur den globalen Kapitalismus, sondern schuf auch den modernen »Self Made Man«.“. Das Musical sei damit eine Reise in die „glorreiche Vergangenheit Augsburgs“ (Theater Augsburg: 2018).

Mit dieser einseitigen, glorifizierenden Darstellung reiht sich das Musical ein in eine einseitige Beschäftigung mit der Fuggerschen Geschichte: denn dass die Fugger (und die Welser) ihren Reichtum durch ihre Beteiligung am Kolonialismus und die Ausbeutung von Arbeiter*innen in Bergwerken und Minen akquirieren konnten, wird meist verschwiegen oder beschönigt (siehe Projekt „Fugger – die andere Seite“ 2017). Auch die Beziehungsarbeit der Fugger zu bedeutenden Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Politik und Kirche, die sie durch (finanzielle) Transaktionen und Gefälligkeiten längerfristig an sich binden konnten, wird nicht kritisch reflektiert. Die Fugger besaßen überdies einen „Hofm~„, um durch die „Exotik“ und „Fremdheit“ ihren Reichtum zur Schau zu stellen (Homestory Augsburg 2015). Auch eine notwendige Neoliberalismus- und Kapitalismuskritik auf heute übertragen bleibt aus, wenn man Jakob Fugger als Beispiel par excellence des „self made man“ stets in einem Atemzug mit „Reichtum, Glanz und Gloria“ nennt.

In der Nicht-Auseinandersetzung mit dem kolonialen Aspekt der Fugger-Geschichte sehen wir eine Verdeckung und Bagatellisierung der deutschen Kolonialgeschichte und somit gleichzeitig eine selektive Weiße Weitergabe. Natürlich soll so ein Musical in erster Linie unterhalten, doch die Fortschreibung durchwegs positiver Darstellung der Fugger-Familie und ihrer Erfolgsgeschichte führt zu einem verzerrten und beschränktem Bild, welches sich schwer wieder aufbrechen lässt und jeglicher kolonialer Deutung entzieht. Eine postkoloniale, kritische Betrachtung des Fuggerschen Wirkens und das Zulassen Nicht-Weißer Geschichtsperspektiven bleiben somit wichtige Aufgaben, denen sich (nicht nur) die Augsburger Stadtgesellschaft stellen sollte.

 


Mehr Infos zu einer postkolonialen Betrachtung des Fuggerschen Wirkens hier

Bildquellehttps://theater-augsburg.de/herz_aus_gold (Jan Pieter Fuhr)


(Henriette)

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