Hotel 3 Möhren

Das Hotel 3 M* (Steigenberger) ist ein Luxushotel an der Maximilianstraße und befindet sich auf dem Grundstück des Fugger’schen Palais. Querverbindungen zu einer kritischen Sichtweise der Fuggerschen Geschichte (hier) sind sicherlich auch sehr spannend. Doch heute soll es um dieses Gebäude, den Namen und das Logo des Hotels gehen und um eine rassismuskritische, postkoloniale Dekonstruktion dessen.


Den Anstoß zu diesem Artikel gab uns die künstlerische Aktion am Hotel 3 M*. Mit Ü-Punkten und Karotten bewaffnet stellten Aktivist*innen auf kreative Art und Weise ihre Kritik und ihren Protest gegen den Namen des Hotels dar. Aus dem Hotel 3 M* wurde kurzerhand das Steigenberger Drei Möhren. Lecker!

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Hotel 3 Möhren – kreative Kritik.

Und auch von anderer Seite erhielten wir einen Gegenvorschlag zum aktuellen Logo, welches statt der rassifiziert-stilisierten Köpfe drei Karotten zeigt. We like!

logovorschlag drei möhren

Hotel 3 Möhren – ein Logovorschlag von Benedikt Nose.


Der Name

Über die Herkunft des Namens 3 M* gibt es mehrere Theorien:

  • Afrikanische Augsburger
    Wie auch das Hotel selber erklärt, geht der Name auf die Legende von abessinischen Mönchen zurück, die auf ihrem Weg nach/von dem Konzil von Florenz um 1495 einen Abstecher nach Augsburg machten. Aufgrund des bitteren Winters wollten die Mönche Richtung Süden überstürzt weiter marschieren – dabei starb ein Mönch bereits auf dem Hochfeld. Als die Mönche umkehrten und wieder an die Herbergstür klopften, nahm Gastwirt Minner die drei erneut in sein Gasthaus auf. Bevor die Männer im Frühling abreisten, habe der Wirt sie auf einer Tafel porträtieren lassen, welche fortan als Gasthausschild gedient haben soll.
  • Die heilige St. Afra und St. Moritz                                                                                         Der Hotelname könnte von den Heiligen St. Afra oder St. Moritz kommen, denen in Augsburg auch Kirchen gewidmet sind. Vom Heiligen Moritz aus Ägypten existieren M-Darstellungen, der Name des Märtyrers lässt sich folglich von ,Mohr’ bzw. ,Maure’ ableiten (Hagen 2015). Aber auch St. Afra spielt eine wichtige Rolle in der Augsburger Stadtgeschichte. Der Name bedeutet „Afrikanerin“, sie selbst könnte mit römischen Militärs oder Kaufleuten aus Nordafrika nach Augsburg gekommen sein.
  • Die heiligen drei Könige                                                                                                           Die heilige Zahl drei und der Name 3 M* könnten von den Heiligen drei Königen abgeleitet worden sein, die ein Sinnbild für Reisende und Suchende darstellen. Da es in der Augsburger Jakobervorstadt bereits ein Hotel Zu den drei Königen gab, nannte sich diese Herberge kurzum 3 M*.

Herkunft und Bedeutung des Begriffs „Mohr*in“

Der Begriff „Mohr*in“ ist eine alte deutsche Bezeichnung für Schwarze Menschen. Das Wort stammt vom Griechischen „moros“, was töricht, dumm, einfältig, gottlos heißen kann bzw. vom Lateinischen „maurus“, was schwarz, dunkel, afrikanisch bedeutet. Es wurde jedoch vermehrt für Nordafrikaner*innen gebraucht. Im Spanien des Mittelalters wurden Muslime*a auf der iberischen Halbinsel als „Mauren“ bezeichnet. Der Begriff war von Beginn an negativ konnotiert. Im Deutschen wurde unterschieden zwischen „Maure“ (dunkelhäutiger Heide bzw. Moslem/Muslima) und „Mohr*in“ (Mensch mit dunkler Hautfarbe). (vgl. Arndt 2015; Arndt & Hamann 2015; Hagen 2015; Ogette 2017)

So wie die negative Konnotation von „moros“ auf „Mohr“ übertragen wurde, hat auch die negative Deutung der Farbe Schwarz im christlichen Denken die Wahrnehmung von dunkelhäutigen Menschen im Christentum geprägt. Weißsein bedeutet in der christlichen Tradition gut sein, Engel, Gott, Vernunft, Zivilisation, während schwarz der Gegenpol des weißen ist, also assoziiert wird mit schlecht, böse, Teufel und Sünde (Miles 1992: 23-26).

Im Zuge der kolonialen Bestrebungen wurde zunehmend zwischen „Mohr*in“ für „hellhäutigere“ Afrikaner*innen und „Neger*in“ für Personen aus „Schwarzafrika“ unterschieden. Der Begriff M* wird nach westlichen Vorstellungen häufig mit Elementen des „Orients“ wie einem Turban und „exotischer“ Kleidung verbunden, aber auch Assoziationen mit der Figur des*der Diener*in schwingen mit – wie beim Beispiel des Sarotti-M*. (vgl. Hamann 2013: 147; Melber 1992: 76; Zeller & Wegmann 2017)

Auch anderswo in Deutschland tragen einige Apotheken, Gasthäuser und Straßen heute noch den Namen M*, der ein Relikt der Kolonialzeit darstellt und in vielen Fällen unreflektiert übernommen oder beibehalten wurde. Eine Abschaffung dieses Namens und eine postkoloniale, kritische Auseinandersetzung damit ist von unserer Seite her sehr wünschenswert!

Das Logo

Im Laufe der Hotelgeschichte gab es verschiedene Logos. Eine ältere Variante zeigt zwei Schwarze Frauen mit Turban und einen Schwarzen Mann mit Turban und Bart – alle drei lächelnd – in Frontansicht. Ein weiteres Logo, das bis in die 1950er Jahre verwendet wurde, stellt drei tanzende Schwarze Männer in Baströckchen dar. Es erinnert an die Völkerschauen, die vor allem ab den 1870er Jahren auch in Augsburg beliebt waren. Dabei wurden außereuropäische Menschen teilweise neben exotischen Tieren „ausgestellt“. Die Menschen führten oftmals Tänze auf, die das ,Wilde’ betonen sollten. (vgl. Hagen 2015)

Das heutige Logo stammt aus den 1950er Jahren. Es handelt sich dabei um eine stilisierte Darstellung der Köpfe dreier Schwarzer Männer.

 

(Nicht nur) Wir finden dieses Logo sehr problematisch, da es rassistisch-stereotype Darstellungen Schwarzer Menschen reproduziert: die dicken Lippen und die stark vereinfachten, scherenschnittartigen Profile zeigen keinerlei menschliche Züge mehr. Es ist eine entmenschlichte Darstellung von einem kolonialen Bild eines Schwarzen Sklaven. Alle drei Männer sehen gleich aus, womit jede Individualität völlig negiert wird.

Die Büsten

Viele wohlhabende und berühmte Reisende machten in Augsburg Halt und nächtigten im Hotel Drei M*, da Augsburg auf der Hauptreiseroute Richtung Süden lag. Es gab im 18. Jahrhundert am Hotel Drei M* den einzigen Balkon in der Maximilianstraße; über diesem waren die Büsten dreier „Mohren“ angebracht. Es kann sein, dass die Terrakotta-Büsten dreier Schwarzer Männer zum Kontrastieren der damals vornehmen Blässe der oberen Schicht dienen sollten. Die Gäste und Bewohner*innen des Hotels von Rang und Namen benutzten diesen Balkon als Plattform für Reden und um sich zu repräsentieren. Die Büsten sind noch heute erhalten und im Foyer des Hotels Drei M* ausgestellt.

Heute sind an der Außenfassade grobschlächtigere Repliken der drei Büsten angebracht. Um den Hals der drei Skulpturen kann man ansatzweise Halsketten erkennen, die auf Sklaverei hindeuten könnten. Allerdings sind die Ketten verziert, was wiederum auf Schmuck schließen lässt. Im Gegensatz zum Logo sind hier die Namensgeber individueller dargestellt, mit unterschiedlicher Blickrichtung und Kleidung. (vgl. Hagen 2015)

Fazit

Unabhängig einer wie auch immer gearteten „Tradition“ des Namens und/oder Logos: sowohl der Name M* als auch das Logo bedienen sich – wie gezeigt – rassistischer und kolonialer Bilder, die Stereotype von Unterlegenheit, Dienerhaftigkeit und Andersartigkeit reproduzieren. Gemäß des Ansatzes >Sprache ist Macht< glauben wir, dass Sprache nicht etwas Neutrales ist, was die Realität nur abbildet, sondern dass Sprache und Worte Gesellschaft und Wirklichkeit konstruieren. Mit Sprache werden immer Interessen verfolgt und bestimmte Ziele vertreten. Worte sind dabei nicht nur leere Ausdrücke, sondern sie transportieren Emotionen und (bildliche) Assoziationen. (vgl. Ogette 2017: 74) Deshalb fordern wir von der Augsburger Stadtgesellschaft einen kritische(re)n Umgang mit dem Steigenberger Hotel und seinem Namen: Decolonize Augsburg – Decolonize Yourself!


Quellen

  • Arndt, Susan & Ulrike Hamann (2015): Mohr_in in: Arndt, Susan & Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.): (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache – ein kritisches Nachschlagewerk, Münster: Unrast Verlag. Druck. S.649-653.
  • Arndt, Susan (2015): Rassismus – die 101 wichtigsten Fragen, München: C.H. Beck. Druck. S. 98ff.
  • Hagen, Luisa (2015): Von den Heiligen Drei Königen zum Hotel Drei Mohren, online abrufbar unter: https://bloghomestoryaugsburg.wordpress.com/2015/06/07/von-den-heiligen-drei-konigen-zum-hotel-drei-mohren/, Augsburg: Blog Homestory Augsburg. Web.
  • Hamann, Ulrike (2013): „Das M-Wort“ in: Nduka-Agwu, Adibeli & Antje Lann Hornscheidt: Rassismus auf gut Deutsch – ein kritisches Nachschlagewerk zu rassistischen Sprachhandlungen. Frankfurt: Brandes & Apsel. Druck. S.146-156.
  • Melber, Henning (1992): Der Weißheit letzter Schluß – Rassismus und kolonialer Blick. Frankfurt am Main: Brandes & Apsel. Druck.
  • Miles, Robert (1992): Rassismus, Hamburg: Argument Verlag, 1992. Druck.
  • Ogette, Tupoka (2017): Exit Racism – rassismuskritisch denken lernen, Münster: Unrast Verlag. Druck. S. 74ff.
  • Zeller, Joachim & Heiko Wegmann (2017): „Mohren“- Ein Stereotyp in der Alltagskultur, online abrufbar unter: http://www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/Mohren-Stereotyp.htm, Freiburg: Freiburg Postkolonial. Web.

(Henriette)

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