Rassismuskritischer Diskurs zu Fasching

Alle Jahre wieder – an Fasching, in der fünften Jahreszeit, kann man die Korken knallen lassen und die Fetzen fliegen. Man trifft sich mit Freund*innen, schminkt sich, kostümiert sich, isst Krapfen, geht zu Faschingsfeiern, hat Spaß. Alles schön und gut? Jein…

Seit Jahren gibt es zu bestimmten Faschingskostümen einen rassismuskritischen Diskurs, da einige Kostüme koloniale, sexistische und rassistische Stereotype bedienen und aus heterogenen Kulturen eine homogenisierende, komische, ins Lächerliche ziehende Verkleidung machen. Typische Beispiele sind hier das I*-Kostüm (First Nations/Native Americans), Afrikaner*innen (N*-Kostüm, Kannibal*innen, „Wilde“, …), Asiat*innen (Geishas, sexwillig, …) oder Araber*innen (entweder als Terrorist*innen oder als „orientale“, „exotische“ Schönheiten aus  1001 Nacht, …), um nur einige zu nennen. Stereotypisierende Bilder werden so weitergegeben und formen unsere Wahrnehmungen über „die Anderen“.

Also ja! Wir müssen uns auch mit Worten und der Wirkmächtigkeit von Sprache auseinandersetzen, wenn wir einen ganzheitlichen Dekolonisationsansatz anstreben. Vermeintlich harmlose und „spaßige“ Kostüme transportieren ganz spezifische rassistische (und oft auch sexistische) Bilder. Deswegen wünschen wir uns: Decolonize Carnival!

#culturenotcostume – Ich bin kein Kostüm

„Einige Kostüme stärken rassistische und stereotype Bilder. Europäer_innen benutz(t)en diese Bilder, um Ausbeutung und Unterdrückung von bestimmten Menschengruppen zu rechtfertigen. Dies ist den wenigsten Träger_innen der Kostüme bewusst. Die Zeit des Kolonialismus und der sogenannten „Entdeckungen“, die mit Massenmorden und anderen Gräueltaten einhergingen, wird bislang nicht ausreichend aufgearbeitet. Das sog. „I*kostüm“ und andere diskriminierende und teils romantisierende Bilder bestimmter Gruppen geben die Älteren so immer wieder an die nächste Generation weiter.“

Jäger und Sammler (funk / Ard / Zdf) vom 01.02.2018

kotztümiert 

„Na, ihr Jecken! Bock auf Karneval, aber kein korrektes Kostüm am Start? Nhi Le macht den Kostüm-Check

Quer (BR) vom 01.02.2018

Aus „N*ball“ wird „Megaball“

„Der erste „Megaball“ im Bayerwald war gut besucht. Die Veranstalter haben ihre Faschingsparty umbenannt, nachdem sie im vergangenen Jahr ein Rassismus-Aufschrei erreichte – sogar aus dem Ausland schallte heftige Kritik, einen Spendenball für Afrika „N*ball“ zu nennen. Doch viele sprechen von Tradition, manche von erzwungener politischer Korrektheit. Warum?“

Cosmo (WDR) vom 02.02.2018

Brauchtum Rassismus

„Von „afrikanischer Frohnatur“ bis „schlitzäugigem Charme“: Diese Kostüme kann man sich nicht schönsaufen.“

Interview mit Kulturwissenschaftlerin Noa K. Ha (Zeit) vom 08.02.2018

„Kostüme sind nicht unschuldig“

„Es ist die Faszination für das vermeintlich Andere, das Fremde und Exotische, das viele Europäer seit der Kolonialzeit suchen. Dass diese Anderen gar nicht so anders waren, sondern auch Menschen mit Familien und Alltag, das spielte keine große Rolle. Man brauchte das Andere, um sich selbst davon zu distanzieren und über die Anderen zu erhöhen. Man projizierte Fantasien auf sie, machte sich lustig über sie. Dieses Muster besteht bis heute fort.“

(Henriette)

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